Wie hoch darf ein Ausfallhonorar sein? Richtwerte und rechtliche Vorgaben für Ärzte

Nicht wahrgenommene Termine kosten Praxen Geld und Ressourcen – Ausfallhonorare helfen, diese Verluste auszugleichen. Dieser Artikel erklärt, welche rechtlichen Vorgaben gelten, wie Honorare berechnet werden und worauf Ärzte bei der Praxisorganisation achten sollten. Jetzt lesen bei medatixx!
Wie hoch darf ein Ausfallhonorar sein?

Nicht wahrgenommene Termine verursachen in Praxen messbare wirtschaftliche Verluste, da Behandlungskapazitäten kurzfristig kaum anderweitig genutzt werden können, während Fixkosten für Personal, Räume und Betrieb unverändert bleiben. Ausfallhonorare dienen als finanzielle Kompensation für solche versäumten Termine, wobei Zulässigkeit und Höhe rechtlichen Vorgaben unterliegen und bei der Terminverwaltung berücksichtigt werden müssen.

Praxisinhaber sollten Honorarsätze wählen, die wirtschaftliche Nachteile ausgleichen, rechtlich haltbar sind und gegenüber Patienten nachvollziehbar bleiben. Dabei sind betriebswirtschaftliche Aspekte der Auslastungsoptimierung ebenso zu berücksichtigen wie die unterschiedlichen Anforderungen von gesetzlicher Krankenversicherung, Privatpatienten und Selbstzahlern.

 

Rechtliche Grundlagen für Ausfallhonorare in der Arztpraxis

Ausfallhonorare basieren rechtlich auf dem Annahmeverzug des Patienten (§ 615 BGB) sowie dem allgemeinen Vertragsrecht (§§ 280 ff. BGB). Mit der Terminvereinbarung im Rahmen eines Behandlungsvertrages (§§ 630a ff. BGB) entstehen gegenseitige Pflichten: Der Arzt stellt exklusive Behandlungskapazität bereit, der Patient verpflichtet sich zum Erscheinen.

Wesentliche rechtliche Aspekte sind:

  • Annahmeverzug (§ 615 BGB): Erscheint der Patient in einer Bestellpraxis nicht, gerät er in Annahmeverzug. Der Arzt kann die vereinbarte Vergütung verlangen, ohne die Leistung nachholen zu müssen (abzüglich ersparter Aufwendungen).
  • Schadensersatz: Alternativ können entgangene Gewinne (§ 252 BGB) geltend gemacht werden, sofern der Termin nicht anderweitig vergeben werden konnte.
  • Transparenz und Pauschalen: Schadenspauschalen sind nach § 309 Nr. 5 BGB zulässig, sofern sie dem Patienten den Gegenbeweis eines geringeren Schadens offenhalten und vorab klar vereinbart wurden.

 

Rechtliche Grundlagen für Ausfallhonorare in der Arztpraxis

Zulässige Höhe des Ausfallhonorars: Richtwerte und Berechnungsmethoden

Die Höhe eines Ausfallhonorars orientiert sich an der wirtschaftlichen Auswirkung ausgefallener Termine, insbesondere entgangenem Umsatz, anteiligen Betriebskosten und nicht anderweitig nutzbaren Praxiskapazitäten.

Diese fachrichtungsspezifische Richtwerte haben sich in der Praxis etabliert:

  • Allgemeinmedizinische Praxen: Standardtermine (15–20 Min.) 35–50 €, längere Beratungstermine (30–45 Min.) 50–75 €, Hausbesuche oder Sondertermine 60–90 €, strukturierte Chroniker-Kontrollen 40–60 €.
  • Zahnärztliche Praxen: Kontroll- und Prophylaxetermine 50–80 €, komplexe Behandlungen wie prothetische Sitzungen oder Wurzelbehandlungen 100–200 €.
  • Orthopädie und Chirurgie: Konservative Termine 60–100 €, geplante Operationen 150–300 €.
  • Dermatologie und HNO: Standardkonsultationen 50–90 €, spezialisierte Eingriffe 80–150 €.
  • Radiologie und bildgebende Verfahren: CT- und MRT-Termine 80–180 €, konventionelle Röntgenuntersuchungen tendenziell niedriger.
  • Gynäkologie und Urologie: Routineuntersuchungen 50–80 €, diagnostische Eingriffe oder ambulante Operationen 100–180 €.

 

Effiziente Praxisabläufe dank den Softwarelösungen von medatixx

Die Praxisverwaltungssysteme von medatixx unterstützen Arzt- und Psychotherapiepraxen dabei, organisatorische Abläufe zentral zu steuern und digital abzubilden. Die Softwarelösungen bündeln Terminplanung, Patientenverwaltung, Abrechnung und medizinische Dokumentation in einer einheitlichen Lösung und halten gesetzliche Vorgaben sowie Anforderungen der Kassenärztlichen Vereinigungen automatisch aktuell. Ergänzende Funktionen wie Online-Terminmanagement, Videosprechstunden und revisionssichere Archivierung tragen zusätzlich zu einer effizienten Praxisorganisation bei.

 

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Patientenkommunikation: Transparente Information über Ausfallhonorare

Für die Durchsetzung von Ausfallhonoraren ist eine klare, verständliche und proaktive Kommunikation entscheidend. Sie schafft Akzeptanz, reduziert Konflikte und sichert rechtlich die Nachvollziehbarkeit.

Bewährte Maßnahmen umfassen:

  • Mehrfache Informationszeitpunkte: Information bereits bei Terminvereinbarung, schriftlich in Bestätigungen oder Merkblättern, in Wartezimmer-Aushängen und digital über E-Mail, SMS oder Praxis-Apps.
  • Klare, verständliche Sprache: Vermeidung juristischer Fachbegriffe; Angabe von Honorarhöhe, Absagefrist und Berechnungsgrundlage.
  • Begründung der Regelung: Erklärung, warum Ausfallhonorare erhoben werden, z. B. wegen nicht nachbesetzbarer Termine und entgangener Kapazitäten.
  • Handlungsoptionen für Patienten: Konkrete Hinweise zur kostenfreien Absage, z. B. „bis 24 Stunden vorher telefonisch, per E-Mail oder über unser Online-Portal“.
  • Empathische Ausnahmehinweise: Information, dass Notfälle, medizinische Kontraindikationen oder unvorhersehbare Ereignisse Ausnahmen darstellen.
  • Schriftliche und digitale Dokumentation: Aufklärungsbögen, Terminbestätigungen und digitale Protokolle sichern die Kenntnisnahme und Beweisführung.

 

Patientenkommunikation: Transparente Information über Ausfallhonorare

Häufige Fehler und rechtliche Risiken bei Ausfallhonoraren

Fehler bei der Gestaltung und Durchsetzung von Ausfallhonoraren können die rechtliche Wirksamkeit der Forderung gefährden und zu Konflikten mit Patienten führen.

Zu den häufigsten Fehlerquellen zählen:

  • Nachträgliche Einführung von Gebühren: Ausfallhonorare erst nach Terminausfall kommunizieren oder nachträglich in Verträge aufnehmen, wodurch keine rechtswirksame Vereinbarung besteht.
  • Überhöhte Pauschalen: Honorare, die den Wert der ausgefallenen Leistung deutlich übersteigen, können als unzulässige Vertragsstrafe gelten.
  • Unzureichende Dokumentation: Mündliche Absprachen oder fehlende schriftliche Nachweise über Terminvereinbarung und Aufklärung verhindern die Beweisführung.
  • Problematische Formulierungen: Begriffe wie „Strafgebühr“ oder „Sanktion“ signalisieren pönalen Charakter und gefährden die Zulässigkeit; neutrale Bezeichnungen wie „Ausfallpauschale“ sind rechtssicherer.
  • Berechnung trotz Nutzung des Termins: Wenn der ausgefallene Termin kurzfristig anderweitig belegt wurde, entfällt die Grundlage für das Ausfallhonorar.
  • Intransparente oder unklare Vertragsklauseln: Versteckte AGB, unverständliche Formulierungen oder unangemessene Fristen können nach § 307 BGB unwirksam sein.
  • Missachtung legitimer Ausnahmen: Bei Notfällen, plötzlichen Erkrankungen oder höherer Gewalt darf kein Ausfallhonorar erhoben werden, um Verhältnismäßigkeit und Vertrauen zu wahren.
  • Fehlende Absagefristen: Ohne klare zeitliche Vorgabe für kostenfreie Stornierungen entsteht Rechtsunsicherheit und die Durchsetzbarkeit der Forderung ist gefährdet.

 

Häufige Fehler und rechtliche Risiken bei Ausfallhonoraren

Zusammenfassung: Rechtssichere Ausfallhonorare in der Praxis

Rechtssichere Ausfallhonorare erfordern klare vertragliche Grundlagen, nachvollziehbare Honorarhöhe und konsequente Umsetzung in der Praxisorganisation. Entscheidend sind lückenlose Dokumentation, rechtzeitige Information über die Regelung und die Orientierung der Gebühr am tatsächlichen Wert ausgefallener Leistungen.

Erforderlich für eine erfolgreiche Honorarforderung sind definierte Absagefristen, dokumentierte Kenntnisnahme durch die Patienten sowie transparente Ausnahmeregelungen für unverschuldete Verhinderungen. Eine ausgewogene Handhabung schützt die wirtschaftlichen Interessen der Praxis, wahrt die Fairness gegenüber Patienten und ermöglicht planbare Praxisabläufe.