Kolumne: Advantage Hausarzt!

Was angeblich analoge Hausarztpraxen, politischen Eitelkeiten, die in der Realität (noch) nicht funktionieren und großflächige Stromausfälle sowie der Berliner Oberbürgermeister miteinander zu tun haben, Dr. Doxx erzählt es Ihnen in seiner aktuellen Kolumne. (Platzhalter).

Wir niedergelassenen Ärzte gelten ja manchem als die großen „Anti-Digitalinskis“ unter den Leistungserbringern. Sie wissen schon: die „autistische Einzelpraxis“ – Zitat eines ehemaligen Vorsitzenden der Bundesärztekammer – als Hort des handgeschöpften Japanpapiers und der gepflegten Datenschutzskepsis. Auf der anderen Seite stehen einige digital vor sich hin strahlende Universitätskliniken, die angeblich alles besser machen. Wir erinnern uns an Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, der sich ständig in der Charité hatte ablichten lassen, seinem Leuchtturm für alles, was er gerade politisch vorantreiben wollte. Wie gut der Leuchtturm funktionierte, interessierte ihn dabei eher nicht so, solange der Fotograf gut funktionierte. 

Das Klischee der digital rückständigen Arztpraxis war ehrlich gesagt schon immer Käse, aber aktuell ist es besonders albern. Anfang Januar in Berlin. Eine Hausarztpraxis überweist Ihren Kolumnisten in eine Hochschulambulanz der Charité. Überweisungsformular aus Papier? Gibt es nicht. „Alles in der App“, sagt der Hausarzt. Ok, mir recht. Nur: Erzählen Sie das mal der Dame am Empfang der Hochschulambulanz. Ich hatte so etwas befürchtet, deswegen hatte ich das Ding zu Hause ausgedruckt. Half aber erstmal nicht: „Ik nehm hier nur Orijinale.“ Alles klar, Chefin. Es brauchte gefühlt drei Vorgesetzte, um abschließend zu klären, dass „Orijinale“ offenbar doch nicht nötig sind. Danach Universität pur: Netter Plausch, attraktive Ärztin und Rosuvastatin- Rezept. Dafür hatte sich die Reise nach Steglitz dann doch gelohnt. Beim Hausarzt hätte ich vermutlich Simva bekommen, aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. 

Die zettel wurden eingescannt und mir wieder mitgegeben.

Dr. Doxx

Was ich erzählen wollte: Das Rosuvastatin- eRezept der Hochschulambulanz kam zwei Tage später. Hatte sich wohl irgendwo zwischen Primärsystem, Komm-Server, Telematikinfrastruktur und Rezeptdienst verlaufen. Die Befunde wiederum trudelten nochmal eine Woche später per Post(!) ein. Ihr Kolumnist wackelte daraufhin in die Hausarztpraxis, wo die MFA kreidebleich wurde: Papier???? Ende vom Lied: Die Zettel wurden eingescannt und mir wieder mitgegeben. Die Zettel habe ich jetzt doppelt. Wenn ich den Echo-Befund noch in meine ePA aufnehmen wollte, dann, ja dann müsste ich ihn jetzt selbst auch nochmal abfotografieren. Denn die Charité installiert jetzt erstmal drei Jahre lang ein neues Krankenhausinformationssystem (KIS). Vor 2029 ist da in Sachen vernünftiger ePA-Anbindung der Hochschulambulanz eher wenig zu erwarten, fürchte ich. 

Dass die KIS-Installation so lange dauert, weil die Amerikaner, die Ende 2025 den Zuschlag für das KIS bekamen, ihre Software erstmal ins Deutsche übersetzen müssen, ist übrigens eine bösartige Unterstellung. Keine Unterstellung ist, dass Karl Lauterbach kräftig Werbung für das US-System gemacht hatte, als er noch in Amt und Würden war. Er muss es ja auch nicht bezahlen. Die Charité wahrscheinlich auch nicht. Die nimmt dafür jetzt erstmal Schulden, Verzeihung – ein Sondervermögen, auf. Abbezahlt wird das dann ohnehin nicht, eher irgendwann dem Berliner Landeshaushalt übergeholfen. Der politische Trick besteht darin, die Rechnung genau dann an die Landesregierung rüberzuschieben, wenn der Oberbürgermeister gerade Tennis spie---- Stromausfall. 

Ich bedanke mich für Ihre vorzügliche Aufmerksamkeit. 

Herzlichst, 

Ihr Dr. Doxx

Der Artikel erschien erstmals am 24. März 2026 im x.press 26.2.

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