„Kommunikation wird zur Schlüsselkompetenz“

Warum wird das Thema Kommunikation in Arztpraxen Ihrer Meinung nach als Fortbildungsthema immer wichtiger?
Kranke und verunsicherte Menschen brauchen nicht nur technische Diagnostik und Therapie, sondern das Gefühl: Da ist jemand, der mich als Mensch wahrnimmt. Kommunikation bedeutet für mich deshalb nicht, ein paar passende Sätze zu beherrschen. Es geht um eine zugewandte Haltung, echtes Interesse, psychologisches Verständnis und die Fähigkeit, auch unter Druck klar und menschlich zu bleiben. Auf den Punkt gebracht: Zukunftskompetenz ist menschliche Reife an den Schlüsselpositionen einer Arztpraxis.
Die Einführung neuer digitaler Anwendungen und KI verändert Arbeitsabläufe in Arztpraxen. Warum spielt Kommunikation bei solchen Veränderungsprozessen eine so entscheidende Rolle?
Bei grundlegenden Veränderungsprozessen geht es um mehr als Kommunikation. Es beginnt viel früher: Mitarbeiterinnen müssen rechtzeitig eingebunden werden. Sie müssen verstehen, warum etwas verändert wird, was sich konkret verändert und welche Rolle sie dabei einnehmen. Menschen haben häufig Angst vor Veränderungen. Nicht immer ausgesprochen, aber spürbar. Angst, nicht mehr mitzukommen. Angst vor Fehlern. Angst vor Statusverlust. Angst, dass bewährtes Wissen plötzlich weniger zählt. Oder auch die Sorge: „Werde ich durch Technik irgendwann ersetzbar?“ Hier braucht es standfeste, vertrauensvolle Führungskräfte, die ihre Rolle kennen und sich trauen, den Mitarbeiterinnen wirklich zu begegnen. Nicht dramatisieren, nicht beschwichtigen, sondern Orientierung geben. Kommunikation macht Veränderung nicht automatisch leicht. Aber sie macht sie verständlich, ehrlich und handhabbar.
Kommunikation beginnt nicht erst beim gesprochenen Wort
Welche Kommunikationsprobleme erleben Sie in Arztpraxen am häufigsten?
Im Praxiscoaching oder im Seminar erlebe ich immer wieder eine unklare Aufgabenverteilung, unklare Zuständigkeiten und unklare Entscheidungsbefugnisse. Da wird dann viel geredet, aber wenig wirklich geklärt. Ein weiteres Thema ist der Empfang und das Telefon. Dort fehlt oft eine gemeinsame Kommunikationslinie. Jede macht es ein bisschen anders. Bei normalen Abläufen geht das noch. Unter Stress wird es schwierig. Dazu kommt: Aussagen von gereizten oder aggressiven Patientinnen werden schnell persönlich genommen. Verständlich, aber nicht hilfreich. Gleichzeitig fehlt in Stresssituationen manchmal die gegenseitige Unterstützung im Team. Dann kämpft jede für sich.
Woran erkennen Praxisinhaberinnen, dass sich die Investition in eine Kommunikationsfortbildung gelohnt hat?
Ganz bodenständig: Es wird ruhiger und klarer. Patientengespräche eskalieren seltener oder werden schneller aufgefangen. Am Telefon gibt es weniger Rechtfertigungsschleifen. Intern wird weniger zwischen Tür und Angel entschieden. Aufgaben werden verbindlich übergeben. Eine Fortbildung oder ein begleitendes Praxiscoaching löst nicht über Nacht alle Konflikte. Das wäre unseriös. Aber sie kann einen gemeinsamen Anfang schaffen: eine gemeinsame Sprache, mehr Bewusstsein und konkrete Verhaltensänderungen im Alltag.
Welche Veränderungen erleben Sie bei Teilnehmerinnen nach einer entsprechenden Fortbildung besonders häufig?
Viele melden zurück: Kommunikation beginnt nicht erst beim gesprochenen Wort. Sie beginnt vorher. Bei der Wahrnehmung. Bei der inneren Bewertung. Oft entsteht mehr Verständnis füreinander. Nicht im Sinne von „alles ist gut“, sondern im Sinne von: Ich erkenne besser, warum die andere Person so reagiert. Das nimmt Schärfe heraus. Was mich besonders freut, ist, dass Teams mehr Mut und Bewusstsein für Zusammenarbeit entwickeln. Nicht in Konkurrenz gegeneinander, sondern im Bemühen miteinander. Gute Zusammenarbeit entsteht nicht dadurch, dass alle gleich sind. Sie entsteht, wenn Unterschiede verstanden, Rollen geklärt und Konflikte frühzeitig angesprochen werden.
Wenn Sie Praxisinhaberinnen eine Fortbildung zum Thema Kommunikation empfehlen müssten, was sollten sie bei der Auswahl eines Angebots unbedingt beachten?
Ich würde nicht mit der Frage beginnen: „Welche Kommunikationsfortbildung buchen wir?“. Sondern: „Welche Gesprächssituationen kosten uns im Alltag immer wieder Kraft?“. Zudem macht es Sinn, dass der Anbieter Fortbildungen bietet, die zur Sprache in einer Arztpraxis passen. Kommunikation in einer Praxis ist anders als Kommunikation in einem Wirtschaftsbetrieb. Empfang, Telefon, Wartezimmer, medizinische Dringlichkeit, Datenschutz, Hierarchie, Zeitdruck – das ist ein eigener Kosmos. Die medatixx-akademie hat hier einen guten Zugang, weil sie digitale Praxisabläufe kennt und zugleich den Menschen im Blick behält. Genau das braucht moderne Kommunikation: Sie muss dort greifen, wo Patientenkontakt, Teamorganisation und digitale Prozesse zusammenkommen. Mein Rat: Wählen Sie ein Angebot, das zu Ihrer Praxisrealität passt.
Das Interview erschien erstmals am 22. September 2026 im x.press 26.4.
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