Kompakt-Interview: Zugriffszahlen gingen massiv nach oben

Abdulrahman Ulfat hat Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf studiert und das Unternehmen Open Prometheus gegründet, das ein KI-basiertes Wissenstool für Health ­Professionals entwickelt hat.

KI-basierte Wissenstools für Health Professionals sind in aller Munde. Wie hat sich der Rückzug von OpenEvidence aus Europa bei Open ­Prometheus ausgewirkt?

Unsere Zugriffszahlen gingen innerhalb weniger Tage massiv nach oben, mit Anfragen aus ganz Europa. Das war gar nicht so leicht abzufangen, wir sind ja erst im November 2025 live gegangen.

Tools wie OpenEvidence oder Open Prometheus nutzen Sprachmodelle, um aktuelle Leitlinien und wissenschaftliche Studien praxisnah aufzubereiten. Was müssen solche Anwendungen leisten, damit Klinikerinnen sie akzeptieren?

Sie müssen aktuelle und korrekte Antworten liefern. Und sie sollten nicht halluzinieren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das zu erreichen. Man kann mit kuratierten Literaturdatenbanken arbeiten. Das ist sehr aufwendig. Unser Tool ist, ähnlich wie OpenEvidence und ChatGPT Health, offen konzipiert. Statt einer kuratierten Datenbank, die naturgemäß hinter dem Stand der Forschung herhinkt, indizieren wir kontinuierlich über 35 Millionen wissenschaftliche Publikationen und Leitlinien. Das Problem der Halluzinationen adressieren wir dadurch, dass wir alle Aussagen markieren, die nicht direkt auf eine Primärquelle zurückführbar sind. In internen Evaluierungen liegt der Anteil nicht quellengestützter Aussagen unter zwei Prozent. Wir validieren diesen Wert derzeit gegen etablierte Benchmarks und planen eine Veröffentlichung der Methodik.

Ab wann wird so ein Tool ein Medizinprodukt?

Relativ klar ist, dass wir dann über ein Medizinprodukt reden, wenn solche Tools stark in medizinische Workflows integriert sind und patientenindividuelle Empfehlungen liefern. Wir haben Open Prometheus bewusst so konzipiert, dass es als Informations- und Recherchewerkzeug ohne patientenindividuelle Empfehlungen außerhalb des Medizinprodukteregimes operiert. Ein integriertes Empfehlungstool ist aber eine der nächsten Entwicklungsstufen. Für die geplante Workflow-Integration bereiten wir parallel die entsprechende MDR-Konformitätsbewertung vor.

Beim Business Case hoffen viele Anbieter auf Subskriptionsmodelle. Ist das wirklich der Weg?

ChatGPT Health steht allen US-Ärzten jetzt gratis zur Verfügung. Ich denke schon, dass die Finanzierung über Abos ein Weg ist. Eine andere Frage ist, ob es der einzige der auch der kommerziell attraktivste ist. Als jemand, der Medizin studiert hat, denke ich, dass die Subskription mehr Unabhängigkeit gibt als werbe- oder datenfinanzierte Modelle. Hinzu kommt: ChatGPT Health ist primär ein US-Produkt, das nicht auf europäische Regulatorik, deutschsprachige Leitlinien und GDPR-konforme Infrastruktur ausgelegt ist – genau dort liegt unser Markt. Wir entwickeln Open Prometheus EU AI Act-konform. Wir befinden uns aktuell mit zwei deutschen Kliniken in fortgeschrittenen Gesprächen für Pilotphasen. Die bekommen ein Produkt, das auf sie zugeschnitten ist. Das ist schon attraktiv und rechtfertigt ein Subskriptionsmodell.

Unsere Verification Engine prüft jeden generierten Satz.

 

Das Interview erschien erstmals am 25. Juni 2026 im x.press 26.3.

Hier können Sie sich die gesamte x.press-Ausgabe 26.3 herunterladen.