Whitepaper zum Primärversorgungssystem

Die geplante Einführung eines Primärversorgungssystems bietet die strategische Chance, die Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems zu sichern, das Vertrauen der Bevölkerung zu stärken und zentrale Herausforderungen, demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Stadt-Land-Ungleichgewichte und insbesondere stark steigende Kosten, wirksam zu adressieren. Voraussetzung ist eine Ausgestaltung, die die Patientensteuerung entlang der Patient Journey konsequent neu ordnet, Effizienzpotenziale in den Praxen hebt und spürbar bessere Versorgung ermöglicht – ohne zusätzliche bürokratische Belastungen.
Digitaler Einstieg als Standard
Kernelement eines Primärversorgungssystems muss der digitale Einstieg als Standard nach dem Prinzip „digital first, aber nicht digital only“ sein. Der fallbezogene Einstieg in die Versorgung sollte standardmäßig digital erfolgen, gleichzeitig müssen analoge Zugänge für Personen ohne digitale Möglichkeiten verlässlich erhalten bleiben. Dafür schlagen wir eine interoperable Plattform vor, die Ersteinschätzung, Terminvermittlung und Weiterleitung in geeignete Versorgungspfade (z. B. Telemedizin oder Vor-Ort-Termin) ermöglicht – ergänzend zur 116 117 und unter Einbindung etablierter Kanäle wie Krankenkassen-Apps sowie Praxiswebsites.
Die Versorgungssteuerung muss in öffentlicher Verantwortung verankert werden: diskriminierungsfrei, unabhängig vom Medium und ohne Abhängigkeit von privatwirtschaftlichen Plattformen. Termine sind keine Ware. Bezahlfunktionen und ökonomische Priorisierungen würden Transparenz, Fairness und freie Arztwahl beeinträchtigen und widersprechen dem Prinzip der kollektiv finanzierten Versorgung. Technische Leitplanken sind über die gematik zu definieren – mit einheitlichen Standards und frühzeitiger Einbindung der Praxissoftware. Flankierend sollte ein Bonus-System mit messbaren Kriterien (u. a. über EBM/GOÄ und Reifegradmodelle) die Digitalisierung in Praxen und MVZ gezielt fördern.
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