Ambulante Versorgung: Im Team gehts besser

von Philipp Grätzel
Im Hausarztzentrum Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern gibt es seit Juni eine neue Mitarbeiterin: Undine Tischmeyer ist dort als Digitale Hausärztliche Versorgungsassistenz unterwegs, kurz DIHVA. Wenn sie Hausbesuche macht, hat sie einen zwölf Kilogramm schweren Rucksack dabei, der es ihr erlaubt, Patienten umfassend zu untersuchen. „Am schwersten ist die digitale Waage“, sagt Alexander Baasner, Geschäftsführer der Digitale Facharzt- und Gesundheitsversorgungsgesellschaft (DFGVG), die den Rucksack in zweijähriger Arbeit konzipiert und zur Produktreife gebracht hat. Neben der Waage gehören ein digitales Stethoskop, ein digitales Otoskop, ein digitaler Rachenspachtel, ein digitales Thermometer, eine Kamera und ein EKG zur Ausrüstung, außerdem Blutentnahme-Equipment, Schnelltests, Druckmanschette und vieles mehr.
Bis zu 50 verschiedene medizinische Parameter kann die DIHVA mit den – allesamt als Medizinprodukte zugelassenen – Tools erfassen. Die Befunde werden dann digital weitergeleitet und landen in Ueckermünde bei Christian Hönnscheidt, Facharzt für Innere Medizin im besagten Hausarztzentrum. Der schaut sich, sobald er Zeit hat, alles genau an – den Film von Gehörgang und Trommelfell zum Beispiel, die Videoaufnahme des Rachens oder die Ergebnisse der Schnelltests: „Der Vorteil ist, dass wir damit das Patientenaufkommen entzerren können, weil ich zeitversetzt arbeiten kann. Ich kann flexibel einteilen, wann ich die Untersuchungsergebnisse der DIHVA bewerte und den Patienten anrufe.“
Genau genommen ist Undine Tischmeyer nicht bei Christian Hönnscheidt angestellt, sondern beim Ärztenetz HaffNet. Vier Hausarztpraxen teilen sich hier zwei DIHVAs. Die HaffNet-Ärzte haben schon reichlich Erfahrung mit Delegationsszenarien. Dort arbeiten Netz-Schwestern, von denen zwei jetzt zur DIHVA fortgebildet wurden. Wer medizinische Vorerfahrung hat, etwa einen MFA-Hintergrund, für den dauert diese Fortbildung drei Wochen. Medizinisch nicht vorgebildete Personen erhalten eine etwas umfassendere Ausbildung von dreieinhalb Monaten.
Die DIHVAs sind der neueste, aber bei weitem nicht der einzige medizinische Assistenzberuf, der speziell mit Blick auf die Delegation medizinischer Leistungen durch Ärzte geschaffen wurde. Weitere Qualifikationen in diesem Bereich sind die Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis VERAH aus der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) sowie die Nichtärztlichen Praxisassistenten (NäPA) im Rahmen der vertragsärztlichen Regelversorgung. Beides baut in der Regel auf der MFA-Qualifikation auf. VERAHs und NäPAs übernehmen erweiterte patientennahe Tätigkeiten wie Hausbesuche, Verlaufskontrollen, standardisierte Messungen, Wundversorgung, Fallmanagement und Impfberatung.
PAs übernehmen komplette Akutsprechstunden
Neben solchen Fortbildungen für MFAs gibt es auch ärztliche Assistenzberufe, die durch ein Hochschulstudium ergänzt werden. Da sind zum einen die Community Health Nurses bzw. Gemeindeschwestern, von denen es aber nur relativ wenige gibt. Deutlich zahlreicher sind Physician Assistants, kurz PAs, ein Import aus der angelsächsischen Welt. Sie sind bisher überwiegend in der stationären Versorgung tätig und dort vielerorts unverzichtbar. Aber auch ambulant sind es in Deutschland mittlerweile mehrere Hundert (Statistiken siehe Kasten). Das akademische Studium – im Falle des PAs ein Bachelorstudiengang – habe den Vorteil, dass eine sehr solide medizinische Grundausbildung vermittelt werden könne, sagt Hendrik Bollen, selbst PA und heute Macher des Portals „PA Jobs“. Entsprechend könne ein PA im Rahmen der Delegation eigenständig medizinisch arbeiten.
Prof. Dr. Wolfgang von Meißner von den Hausärzten am Spritzenhaus in Baiersbronn, wo in einer Praxisgemeinschaft aus zwei Gemeinschaftspraxen unter einem Dach gleich zwei PAs arbeiten, drückt es so aus: „Die PAs können in Richtung evidenzbasierter Medizin eingesetzt werden.“ Was er damit meint: Anders als VERAHs oder NäPAs, die einzelne medizinische Leistungen delegiert durchführen, können die akademisch qualifizierten PAs monosymptomatische Patienten im Rahmen von Leitlinienstandards bzw. Standard Operating Procedures (SOPs) eigenständig versorgen: „Bei uns werden alle Akutpatienten, die am selben Tag noch einen Termin bekommen, primär von einem PA versorgt. Bei etwa einem Viertel bis einem Drittel der Patienten wird dann ein Arzt hinzugezogen“, so von Meißner.
Interview: Die Zahl der ambulanten PAs steigt deutlich
Unter allen Delegationsberufen ist der Physician Assistant (PA) der mit dem stärksten medizinischen Fokus. Hendrik Bollen, Geschäftsführer der Plattform PA Jobs und selbst PA, beantwortet einige Fragen rund um diesen Beruf.

PA als Captain in der Satellitenpraxis
Auch in digitalisierten Versorgungsszenarien sind PAs zu Hause. Ein Beispiel: Satellitenpraxen. Dabei handelt es sich um Praxisräume mit Basisausstattung, in denen ein PA zu festen Terminen Sprechstunden abhält – meist in Dörfern, in denen es sonst gar keine hausärztliche Versorgung gäbe. Satellitenpraxen haben typischerweise eine telemedizinische Anbindung an die Mutterpraxis, inklusive Zugang zur jeweiligen Praxis-IT. Wenn der PA Unterstützung braucht, schaltet sich das „Mutterschiff“ bei Bedarf live dazu. Überhaupt ist die Ausdünnung der ländlichen Versorgung ein Treiber aller Delegationsszenarien. Eine Versorgungsanalyse der Stiftung Gesundheit von Ende 2024 zeigte, dass in ländlichen Regionen auf einen Hausarzt schon jetzt bis zu 25 Prozent mehr Patienten kommen als in urbanen Regionen. Gleichzeitig bleiben viele Hausarztstellen unbesetzt. Das BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung hat bis 2030 einen zusätzlichen Bedarf von 3 218 hausärztlichen Vollzeitäquivalenten deutschlandweit berechnet. Die derzeitige hausärztliche Versorgung in Deutschland wird durch Hausärzte abgedeckt, die rund 51 000 Vollzeitäquivalenten entsprechen – bei aktuell rund 5 000 nicht besetzten Arztsitzen.
Zwei Drittel der Hausärztezeit delegierbar
Durch Delegation kann ein erheblicher Teil des Ärztemangels abgefedert werden, davon ist nicht nur die Politik überzeugt, sondern auch viele Versorgungsexperten. Durchgerechnet wurde das unter anderem in einer Studie der Bertelsmann Stiftung unter dem Titel „Delegation im Praxisteam: Ein starker Hebel für die Sicherung der Versorgung“. Verfasst wurde das Papier von den Gesundheitsmanagern von OptiMedis. Aber auch Wolfgang von Meißner und Dr. Volker Eissing vom MVZ Birkenallee in Papenburg waren maßgeblich beteiligt.
Die Botschaft: Schon heute übertreffen Standardpraxen, die Assistenzberufe zur Delegation nutzen, die Fallzahlen von Praxen, die das nicht tun, um 18 Prozent. Eine systematische Nutzung von Delegationsszenarien könne 65 Prozent des ansonsten erforderlichen Zeitvolumens von Hausärzten ersetzen. Auch qualitativ würde die Delegation die Versorgung demnach voranbringen, da auch die Versorgungstiefe zunehme – beispielsweise in Bereichen wie funktioneller Diagnostik, Wundversorgung oder geriatrischen Assessments.
Teampraxis als Erfolgsmodell
Dass von Meißner für die Delegation trommelt, wundert nicht: Die Hausärzte am Spritzenhaus sind eine der hausärztlichen Praxen in Deutschland, die eine mit Delegation flankierte Primärversorgung in einer „Teampraxis“ am umfassendsten umgesetzt haben. Die frühere Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hatte sich die Praxis in Baiersbronn im Frühjahr 2026 sogar zweieinhalb Stunden lang vor Ort angesehen. Sie gab nachher mit Blick auf das im Koalitionsvertrag vorgesehene Primärversorgungssystem zu Protokoll, dass sie die Praxis als Modell für ganz Deutschland ansehe.
In der Baiersbronner Teampraxis arbeiten sieben Ärzte auf vier Vollzeitäquivalent-Stellen. Pro ärztliche Vollzeitäquivalent-Stelle werden 1 800 Patienten im Quartal versorgt. Das ist doppelt so viel wie im Durchschnitt in Baden-Württemberg und sind immer noch rund 700 mehr als in typischen unterversorgten Regionen auf dem Land. Möglich wird das, weil umfassend delegiert wird. Es gibt ein zwölfköpfiges MFA-Team. Sechs davon haben die Fortbildung als VERAH durchlaufen und übernehmen u. a. Hausbesuche, Wundmanagement und Impfsprechstunden. Eine MFA habe den PA-Bachelor aufgesattelt, ein weiterer Mitarbeiter war vorher Fachkrankenpfleger und kam als PA von extern dazu. Zusammen decken die beiden einen Großteil der Akutsprechstunden ab. Nur dank dieses ausgeklügelten Systems kann die genannte Patientenzahl versorgt werden, ohne dass ständig ein Arzt im Burnout landet.
Info: Medizinische Assistenzberufe
Ambulante Versorgung. Einen systematischen Gesamtüberblick über medizinische Assistenzberufe im ambulanten Gesundheitswesen in Deutschland gibt es nicht. In einer aktuellen Studie zu MFAs in Deutschland kam die Bertelsmann Stiftung im Juni 2026 auf Basis von Zahlen des Statistischen Bundesamts auf 475 000 MFAs, umgerechnet 314 000 Vollzeitäquivalente. Laut einer Strukturanalyse aus dem Jahr 2025 gab es rund 17 700 VERAHs. Die vor allem in der Hausarztzentrierten Versorgung eingesetzten und vom Deutschen Hausärzteverband fortgebildeten Fachkräfte waren mit rund 14 900 Beschäftigten überwiegend in Hausarztpraxen tätig.
Für die NäPAs, das vertragsärztliche Pendant zu den VERAHs, sprach der Verband der Ersatzkassen 2025 von mehr als 12 000 Beschäftigten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass viele MFAs sowohl die VERAH- als auch die NäPA-Qualifikation haben. Es gibt hier also eine relevante Überlappung. Für Physician Assistants (PAs) geht die Plattform PA Jobs von derzeit 3 000 fertigen Absolventen mit Bachelorabschluss aus, von denen allerdings nur etwa 20 Prozent in der ambulanten Versorgung arbeiten. Dazu kommen 5 500 PAs im laufenden Studium, und pro Jahr steigen 2 200 bis 2 500 Studenten neu ins PA-Studium ein. Offizielle Statistiken zur Zahl der in einigen wenigen Masterstudiengängen ausgebildeten Community Health Nurses bzw. zu Gemeindeschwestern gibt es nicht. Die Zahlenangaben schwanken von einigen Dutzend bis niedrig dreistellig.
Erfolgsfaktoren für die Delegation
Entscheidend sei, so von Meißner, dass Delegation ein gutes Governance-Modell benötige, um zu funktionieren. „Wir haben immer einen ,Doctor-in-the-Loop‘. Das heißt nicht, dass ich zuschaue, wie die PAs und VERAHs arbeiten. Dann hätte ich nichts gewonnen. Aber ich muss schon mitkriegen, was sie machen.“ Von Meißner redet in diesem Zusammenhang gern von „asynchroner Delegation“: Er schaut die Unterlagen zu allen Patienten, die keinen Arzt gesehen haben, spätestens am Quartalsende, oft früher, durch. Ab und an wird dann auch noch mal einbestellt, aber das ist die Ausnahme.
Neben Kontrolle ist Patientenkommunikation für von Meißner der zweite zentrale Erfolgsfaktor des Delegationsmodells: Wenn irgendetwas ist, muss jemand erreichbar sein. Das funktioniert in Baiersbronn zu erheblichen Teilen digital. Rund 5 000 Patienten nutzen die App der Praxis für Terminbuchungen, aber auch zur direkten Kontaktaufnahme. Außerhalb der Sprechzeiten ist die App mit dem digitalen Ersteinschätzungs-Tool DOCYET hinterlegt, das eine Terminierung vornimmt oder in Richtung Selbsttherapie triagiert. Während der Sprechzeiten übernimmt in der Regel eine MFA diese Aufgabe und meldet sich bei Anfragen zurück. Am Telefon läuft es ähnlich: Primär meldet sich ein Bot, der rund um die Uhr verfügbar ist und das jeweilige Anliegen entgegennimmt. Auch hier wird zeitnah zurückgerufen: „Wir schaffen mit diesem digital hinterlegten System im Schnitt eine Reaktionszeit von unter zwei Stunden“, so von Meißner.
HÄPPI machts möglich
Schnelle Reaktionszeiten sind wichtig, um den Patienten das Gefühl zu geben, jederzeit gut versorgt zu sein. Sie sind aber auch deswegen wichtig, weil sie Teil des HÄPPI-Vertrags sind, in dessen Rahmen die Hausärzte am Spritzenhaus arbeiten und versorgen. HÄPPI steht für „Hausärztliches Primärversorgungszentrum Patientenversorgung Interprofessionell“. Es handelt sich um ein stark auf Delegation und Digitalisierung sowie auf strikte hausärztliche Steuerung setzendes Versorgungskonzept des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, das auf die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) aufsetzt. „HZV plus HÄPPI“ ist das, was das Baiersbronner Praxiskonzept mit Delegation und Digitalisierung finanziell überhaupt erst ermöglicht.
Eine Kernkomponente ist die Team-Vergütung, die bereits in der HZV implementiert war: Honoriert wird nicht bei Arzt-, sondern bei Praxiskontakt, was größere Patientenzahlen pro vollzeit-äquivalente Arztstelle erlaubt, als das bei einer klassischen EBM-Honorierung mit ihren engen Zeitprofilen möglich wäre. Hinzu kommen bei Patienten so genannte HÄPPI-Zuschläge von in Summe teilweise über 40 Euro pro Jahr, gekoppelt an die Anstellung von PAs und an die Nutzung verschiedener digitaler Anwendungen. Diese Gelder – neben jenen aus der schon durch die HZV möglichen Leistungsausweitung – stehen zur Verfügung, um zum Beispiel PA-Gehälter zu bezahlen.
Wichtig ist von Meißner auch, dass es bei dem ganzen Primärversorgungsunterfangen nicht nur darum geht, in Regionen mit Ärztemangel möglichst viele Patienten durchzuschleusen. Diese seien am Ende auch zufriedener und nicht schlechter versorgt. Wer akut Hilfe braucht, erhält diese am selben Tag. Der Arzt sieht dann vielleicht nur einen Patienten, aber dafür hat der PA mehr Zeit und macht eine ausführlichere Untersuchung. Es gibt keine endlosen Telefonschleifen, sondern zuverlässige und kurzfristige Rückmeldungen: „Das Feedback der Patienten ist durchweg positiv. Sie freuen sich, wenn sich jemand auch mal etwas mehr Zeit nehmen kann“, berichtet von Meißner.
Zurück nach Ueckermünde. Das dortige DIHVA-Projekt steht noch ganz am Anfang. Anders als die stark AOK-getriebene HZV-/HÄPPI-Versorgung ist DIHVA ein Versorgungsprojekt, das die Techniker Krankenkasse (TK) mit der DFGVG (Digitale Facharzt- und Gesundheitsversorgungsgesellschaft) umgesetzt hat. Bisher gibt es insgesamt sieben ausgebildete DIHVAs. TK-Vorstand Jens Baas ist überzeugt: „Eine kluge Aufgabenverteilung ist ein wichtiger Baustein, um die Versorgung auf dem Land zu sichern. Wir müssen im Gesundheitswesen mehr auf Delegation setzen.“
Bis Ende Juni gab es in Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern zusammen schon rund 1 200 DIHVA-Einsätze. So ein Einsatz dauere unter den Bedingungen am Stettiner Haff im Schnitt 20 bis 30 Minuten, berichtete DIHVA Tischmeyer. Honoriert wird die DIHVA-Versorgung durch die TK aktuell mit 35 Euro pro Einsatz. Der DIHVA-Koffer kostet weitere 188 Euro im Monat. Wo genau die DIHVA angebunden werde, sei unterschiedlich, so Alexander Baasner von der DFGVG. Sie kann bei einem Ärztenetz oder einer Arztpraxis angestellt sein, aber auch eine Kommune könnte als Arbeitgeber fungieren.
Konzeptionell nimmt die DIHVA zwischen VERAH/NäPA einerseits und PA andererseits eine Art Mittelposition ein. Es handelt sich um eine kurze Fortbildung, nicht um ein Hochschulstudium. Gleichzeitig wird bis zu einem gewissen Grad selbstständiges medizinisches Handeln dadurch ermöglicht, dass der DIHVA-Einsatz nicht nur mit einem schweren Rucksack voller Diagnostik, sondern auch mit einem auf Künstlicher Intelligenz basierenden Ersteinschätzungssystem hinterlegt ist. Die DIHVA hat dazu einen Tablet-PC, auf dem eben jenes DOCYET-System läuft, das auch die Hausärzte am Spritzenhaus nutzen – wenn auch anders konfiguriert.
Wenn die DHIVA vor Ort beim Patienten ist, leitet das Ersteinschätzungs-Tool sie durch eine strukturierte Anamnese. Darüber hinaus gibt das Tool konkrete Anweisungen dahingehend, welche der insgesamt 50 Untersuchungen, die der Rucksack prinzipiell ermöglicht, von der DIHVA tatsächlich durchgeführt werden sollten. Ein Überblick über die Anamnese, insgesamt sieben mögliche Verdachtsdiagnosen und alle digital aufgezeichneten Untersuchungen – vom EKG über die Otoskopie-Bilder bis hin zum Film der Rachenuntersuchung – geht abschließend an den zuständigen Arzt, der über das weitere Vorgehen entscheidet.
Fazit
Umfassende Delegation medizinischer Leistungen in der ambulanten Versorgung ist keine politische Fantasie mehr, sondern in zahlreichen Arztpraxen gelebte Versorgungsrealität. Traditionelle VERAH-/NäPA-Ansätze werden zunehmend ergänzt durch PA-basierte Versorgung und – neu – stark digital hinterlegte Konzepte wie etwa DIHVA. Angesichts von zunehmendem Ärztemangel auf dem Land einerseits und im Lichte des politisch angestrebten Primärversorgungssystems andererseits gewinnt das Thema Delegation derzeit deutlich an Fahrt, wobei in unterschiedlichen Versorgungsszenarien unterschiedliche Delegationsmodelle sinnvoll sein können. Vielfalt ist hier eher ein Vorteil. Entscheidend wird sein, das Erstattungssystem so anzupassen, dass Delegation betriebswirtschaftlich umsetzbar wird – vor allem durch eine deutlich konsequentere Etablierung von Teampraxis-Konzepten. Intensive Digitalisierung trägt in solchen komplexen, interdisziplinären Versorgungsszenarien dazu bei, dass Ärzte den Gesamtüberblick behalten und Patienten eng angebunden bleiben.
Der Artikel erschien erstmals am 22. September 2026 im x.press 26.4.